Stellenanzeigen richtig lesen: (m/w/d), Vollzeit, befristet, Home-Office
25. September 2026 · Fewer
Eine deutsche Stellenanzeige trägt eine Handvoll Kürzel und Formeln, die nirgends erklärt werden. Die meisten sagen etwas Nützliches über die Stelle, einige sagen gar nichts. Hier steht, was sie bedeuten und wie man eine Anzeige in zwei Minuten richtig einordnet.
(m/w/d), (w/m/d), (gn): das Kürzel im Titel
Das Kürzel hinter der Berufsbezeichnung steht für männlich, weiblich, divers. Varianten sind (w/m/d), (m/w/x), (m/w/i), (gn) für geschlechtsneutral, „(all genders)“ und „(w/m/div)“. Dazu kommen Schreibweisen wie Mitarbeiter:in, Entwickler*in oder Sachbearbeiter/in.
Es sagt nichts über die Stelle. Es steht dort, weil das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz eine Ausschreibung verlangt, die niemanden wegen des Geschlechts ausschließt (AGG §11). Eine Pflicht zur genauen Form gibt es nicht, deshalb ist die Schreibweise von Firma zu Firma verschieden. Beim Lesen: überspringen. Beim Suchen: nicht mit eintippen, sonst findet man nur die Firmen, die genau dieselbe Variante benutzen.
Vollzeit, Teilzeit, befristet, unbefristet
Diese Wörter stehen oft mit im Titel („in Vollzeit“, „(Vollzeit/Teilzeit)“) oder in einer Zeile über der Beschreibung. Sie sind das Erste, was man prüfen sollte:
- Unbefristet ist die Festanstellung. Befristet heißt, der Vertrag endet zu einem genannten Datum; oft steht die Dauer dabei („befristet auf zwei Jahre“), manchmal der Grund („Elternzeitvertretung“).
- Vollzeit sind je nach Tarif 35 bis 40 Stunden. Teilzeit ohne Stundenzahl heißt: nachfragen.
- Minijob oder geringfügig ist eine Beschäftigung bis zur Verdienstgrenze, keine Karrierestelle.
- Schicht, Wochenende, Bereitschaft stehen meist ehrlich da, wenn sie gelten.
Ausbildung, Duales Studium, Praktikum, Werkstudent, Trainee
Diese Anzeigen sehen aus wie Stellen und sind keine, jedenfalls nicht für Berufserfahrene. Ausbildung („Ausbildung zum Industriekaufmann“, „Azubi“) ist die Berufsausbildung, meist drei Jahre. Duales Studium verbindet Studium und Betrieb. Praktikum und Praktikant sind zeitlich begrenzt und schlecht oder gar nicht bezahlt. Werkstudent ist ein Nebenjob während des Studiums, bis 20 Stunden in der Vorlesungszeit. Trainee ist ein Einstiegsprogramm für Absolventen, ein bis zwei Jahre.
Wer zehn Jahre Berufserfahrung hat, filtert diese Wörter am besten schon im Titel weg. Sie sind auf den großen Stellenbörsen zahlreich, weil viele Unternehmen jedes Jahr dieselben Ausbildungsplätze ausschreiben.
Ort, Raum, bundesweit, Home-Office
Der Ort steht meist als Postleitzahl und Stadt, manchmal als Region: „Raum München“, „Großraum Stuttgart“. Bundesweit oder deutschlandweit heißt fast immer Außendienst mit Reisen, nicht Home-Office. Für Arbeit von zu Hause gibt es keine einheitliche Formel: Home-Office und Homeoffice, mobiles Arbeiten, remote, hybrid, bei manchen Systemen „Präsenz / Mobil“. Wichtig ist der Nebensatz: „Home-Office möglich“ heißt gelegentlich, „bis zu drei Tage Home-Office“ ist eine Zusage, „100 % remote“ ist selten und dann meist ausdrücklich so geschrieben.
Das Gehalt steht selten da
Die meisten deutschen Anzeigen nennen keine Zahl. „Nach Vereinbarung“, „attraktive Vergütung“ oder „nach Tarif“ ist die Regel; bei Tarif lässt sich die Zahl über die Entgeltgruppe nachschlagen, wenn sie genannt ist. Was Stellenbörsen als Gehaltsspanne anzeigen, ist deren Schätzung, nicht die Angabe des Arbeitgebers.
Eine Pflicht, das Gehalt in der Anzeige zu nennen, gibt es im September 2026 in Deutschland nicht. Die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz hätte bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt werden müssen; ein deutsches Gesetz dazu ist noch nicht in Kraft. Das Fehlen einer Zahl ist deshalb kein Signal, weder gut noch schlecht.
Muss und Kann: die Anforderungen lesen
Der Abschnitt heißt „Ihr Profil“, „Das bringen Sie mit“ oder „Anforderungen“. Die Wörter zeigen, was hart ist und was nicht:
- Hart: „zwingend“, „erforderlich“, „vorausgesetzt“, „abgeschlossenes Studium“, „mindestens fünf Jahre“, „verhandlungssicheres Deutsch“.
- Weich: „wünschenswert“, „idealerweise“, „von Vorteil“, „gerne“, „Kenntnisse in … sind ein Plus“, „erste Erfahrung“.
Eine Zeile mit „mindestens zehn Jahre“ ist eine Zahl, die die Firma prüfen wird. Eine Zeile mit „idealerweise“ ist eine, die fehlen darf. Die ehrliche Lesart einer Anzeige zählt die harten Zeilen, die man erfüllt, und nimmt die weichen als das, was sie sind.
Ein Wort zur Sprache: „verhandlungssicher“ ist die höchste Stufe, dann „fließend“, dann „gut“. Steht „Deutsch verhandlungssicher“ als Anforderung, ist das eine harte Zeile.
Wo Unternehmen ihre Stellen veröffentlichen
Fast jedes größere deutsche Unternehmen hat eine eigene Karriereseite, meist unter karriere.firma.de, firma.de/karriere oder /stellenangebote; im Menü heißt der Link „Karriere“, „Jobs“, „Stellenangebote“ oder „Offene Stellen“. Dahinter läuft ein Bewerbungssystem: Personio bei kleineren und mittleren Firmen, d.vinci, softgarden, rexx und umantis im Mittelstand, SAP SuccessFactors und Workday bei Konzernen. Die eigene Seite ist immer die vollständigste Quelle; Stellenbörsen zeigen eine Auswahl, oft mit Verzögerung.
Die großen Börsen sind die Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit, StepStone, Indeed und XING. Dort lohnt sich der Filter nach „unbefristet“ und „Vollzeit“, wenn man Erfahrene sucht, und das Ausschließen von „Ausbildung“, „Praktikum“ und „Werkstudent“ im Titel.
Wie Fewer diese Anzeigen liest
Fewer liest die Karriereseiten der Unternehmen, die Sie ihm nennen, jede Woche, und prüft jede Anzeige Zeile für Zeile gegen Ihr Profil. Das Kürzel im Titel nimmt es heraus. Aus „Praktikum“, „Werkstudent“ oder „befristet“ macht es eine Markierung, auf die Ihre Regeln reagieren können, in welcher Sprache die Anzeige auch geschrieben ist. Jede harte Zeile, die Sie nicht erfüllen, wird mit dem Zitat aus der Anzeige gezeigt; jede, die Sie erfüllen, mit dem Beleg aus Ihrem Profil. Was es aussortiert, listet es mit dem Grund, damit Sie widersprechen können. Was Fewer ist · Wie es bewertet.